MSF Interview mit einem Trucker über die tatsächliche Flüchtlingssituation in Calais

Das AfD-Mittelstandsforum hat mit dem Trucker Tom L., der zwei bis dreimal die Strecke Deutschland – England fährt und dabei den Eurotunnel bei Calais nutzt, ein Interview über die tatsächliche Flüchtlingssituation  geführt.

MSF: Sie fahren als Fernfahrer mindestens einmal wöchentlich über Calais. Was sind Ihre Wahrnehmungen bezüglich der großen Ansammlung von Flüchtlingen?

Tom L.: „Auf dem Weg zum Eurotunnel und zur Fähre in Calais befinden sich große Zeltansammlungen aus Plastik und Kartonagen. Wenn man auf der A 16 aus Belgien (Jabbeke) kommt, sieht man nachts und in den Morgenstunden Gruppen von Flüchtlingen auf dem Standstreifen der Autobahn.“

MSF: Haben Flüchtlinge jemals versucht, sich auf Ihren Wagen zu schmuggeln?

Tom L.: „Das Problem mit Migranten am Eurotunnel ist ja nicht erst seit gestern bekannt, sondern schon vor 15 Jahren gab es die Probleme, die jetzt jedoch noch viel massiver vorkommen. Auch ich hatte letztes Jahr im April 4 Flüchtlinge auf meinem Lkw und bemerkte dies erst in England, wo ich die Bordercontrol Police informierte. Mir war es schleierhaft wie diese 4 Personen auf mein Fahrzeug gekommen sind, der Planentrailer war mit Zollschnur und Plombe gesichert. Des weiteren begab ich mich bei der Eurotunnel-Erstkontrolle zum CO Check, hier wird von französischen Sicherheitsmitarbeitern der Kohlenmonoxidgehalt unter der Plane gemessen, später, beim britischen Check, wurde nochmals mit Hunden kontrolliert. Es wurden gegen mich seitens der britischen Polizei keine Ermittlungen eingeleitet, da ich die Kontrollen auf dem Frachtpapieren (CMR) mit Stempel dokumentieren konnte.“

MSF: Haben Sie gesehen, wie Flüchtlinge auf andere Lkw gelangten?

Tom L.: „Ja, sobald der Verkehr auf der Zufahrt zum Eurotunnel zum Erliegen kommt versuchen die Flüchtlinge auf oder in die Anhänger zu kommen.“

MSF: Hatten oder haben Sie persönlich Angst?

Tom L.: „Ich habe nicht direkt Angst, aber es ist ein ungutes Gefühl, man weiß ja nicht zu was die Flüchtlinge in Ihrer Notlage fähig sind.“

MSF: Immer wieder kommt es ja auch zu Verkehrsbehinderungen, wodurch geladene Lebensmittel verderben und in der Summe Millionenschäden entstehen. Betrifft Sie das auch? Können Sie das bestätigen?

Tom L.: „Ich habe bei den Kontrollen schon gesehen wie Flüchtlinge aus Gemüsefahrzeugen geholt wurden, ich denke, dass die Fahrt danach aus hygienischen Gründen nicht fortgesetzt werden kann und die Ware entsorgt werden muss.“

MSF: Wie sieht das Ihr Arbeitgeber? Befürchten Sie finanzielle oder sonstige Einbußen für Ihren Arbeitgeber und/oder für sich selbst?

Tom L.: „Für mich persönlich sehe ich keine finanziellen Einbußen, eher den Verlust meiner knappen Freizeit, aber meine Firma stöhnt schon durch den Ausfall von Touren und wegen der Nichteinhaltung von Terminen.“

MSF: Wie denken Sie über die Situation? Versagt hier die Europäische Union, die ihre Außengrenzen nicht schützt oder sehen Sie eher ein Versagen der französischen Behörden?

Tom L.: „Definitiv versagt hier Europa und jedes Mitglied der EU, wie kann jemand tausende Kilometer ohne Pass und Geld sowie Nahrung unkontrolliert quer durch Europa reisen?“

MSF: Die britische Regierung fährt ja mittlerweile einen recht harten Kurs, indem sie ankündigt, Flüchtlinge zurück zu schicken und Arbeitgeber zu bestrafen, die Flüchtlinge illegal beschäftigen. Finden Sie das richtig oder trägt diese Haltung zur Eskalation in Frankreich bei?

Tom L.: „Ich denke, auch Großbritannien sollte mehr Flüchtlinge aufnehmen, zumindest die schon am Eurotunnel campierenden, jedoch sollte die EU einig handeln und nicht die Last der Migranten auf drei bis vier Staaten verteilen. Europa sollte schneller handeln, sinnvoll wäre ein EU Konzept das den Leuten in Ihrer Heimat hilft.“

MSF: Was würden Sie und Ihre Kollegen sich von der Politik wünschen?

Tom L.: „Wie schon gesagt, schnelleres gemeinsames Handeln der EU an den Aussengrenzen, Hilfe für Verfolgte aus Kriegsgebieten ohne Wenn und Aber – und Wirtschaftsflüchtige umgehend in Ihre Heimat abschieben.“

MSF: Herzlichen Dank für das Interview Herr L.. Wir hoffen das Sie immer nach jeder Tour wieder gut zu Ihrer Familie zurückkommen.

Tom L.: „Danke. Gut das sich jemand um das Thema kümmert!“